Fasten – Was der Verzicht auf feste Nahrung mit gesunder Ernährung zu tun hat

Fasten und gesunde Ernährung?

Auf ausgewogenERNAEHREN.de beschäftigen wir uns, wie es der Name schon sagt, mit gesunder Ernährung. Mein heutiges Thema ist das Fasten (kleine Einführung zum Thema beim WDR). Halt, was hat das Fasten mit Ernährung zu tun? Und noch dazu mit gesunder Ernährung? Soviel vorweg, Fasten kann Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung und einer gesunden Lebensweise darstellen, auch wenn das zunächst paradox klingen mag.

Wichtig: Fasten heißt nicht hungern. Wer richtig fastet wird bald mit großem Erstaunen feststellen, dass er oder sie während des Fastens keinen Hunger leiden muss. Gleichzeitig bleibt die volle körperliche Leistungskraft erhalten oder wird sogar gesteigert. Gleiches gilt auch für die Denkkraft.
Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, rücken Sie einfach ein Stückchen näher an den Bildschirm und lassen Sie sich überraschen, was das Fasten für Ihr Wohlbefinden bewirken kann.

Der Ursprung des Fastens

Fasten, also der Verzicht auf feste Nahrung für einen bestimmte Zeitraum, ist so alt wie die Menschheit selbst. Unsere steinzeitlichen Vorfahren wurden, wie fast alle Lebewesen dieser Erde, in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen von den unerbittlichen Bedingungen der Natur dazu gezwungen, für gewisse Zeiträume auf die Aufnahme von Nahrung zu verzichten. Ursachen dafür konnten Jahreszeiten, Naturkatastrophen oder auch fehlendes Jagd- und Sammelglück, zum Beispiel in neu entdeckten Gebieten des Planeten, gewesen sein. Da wir im Wesentlichen noch die selbe genetische Programmierung wie vor 100.000 Jahren in uns tragen, sind wir auf das Fasten von Zeit zu Zeit ausgerüstet. Der Mensch kommt tatsächlich wesentlich besser mit temporärem Nahrungsmangel zurecht als mit dem allgegenwärtigen Nahrungsüberfluss, wie er in unseren westlichen Zivilisationen herrscht.

Das Fasten hat es also schon immer gegeben. Jede Kultur und jedes Volk kennt Zeiten des ritualisierten Verzichtes auf Nahrung. Oftmals galt das Fasten als ein Akt der Reinigung oder ein Instrument zur Erlangung tieferer geistiger Einsichten. Nicht zuletzt ist das Fasten eine von der Natur vorgesehene Fähigkeit des Menschen zur Selbstheilung. Grund genug also, sich mit dem Fasten näher zu beschäftigen und die Vorteile dieser Methode zu ergründen.

Verzicht auf Nahrung und Informationen

Wir leben in einer Welt des Überflusses. In jedem Supermarkt können wir aus einer schier unüberschaubaren Anzahl an Lebensmitteln in zig Varianten wählen. Die Nahrungsmittelindustrie produziert mehr als wir je vertilgen könnten. Folglich werfen wir täglich unvorstellbare Mengen verwertbarer Nahrungsmittel weg.

Nicht nur die Flut sofort verfügbarer Nahrungsmittel bestimmt unseren Alltag. Täglich strömen auch Unmengen an Informationen auf uns ein. Wir leben in der Informationsgesellschaft. Wir haben die unterschiedlichsten Kanäle und Medien geschaffen wie Fernsehen, Radion, Telefon, Email, Onlinechats, Mobilfunkmessenger, Twitter, Facebook, Pinterest, Youtube und der gleichen mehr, um uns zu jeder Zeit und an jedem Ort mit Informationen zu versorgen.

Doch was passiert, wenn wir auf all diese Einflüsse einmal bewusst für einen definierten Zeitraum verzichten? Ich habe in diesem Jahr zum zweiten Mal den Selbstversuch gewagt und im März zehn Tage den Verzicht auf feste Nahrung und moderne Informationsmedien geübt. Dazu habe ich mich einer Fastengruppe unter der Leitung erfahrener Fastenberater und Naturheilkundler angeschlossen. Mich hat vor allem der ganzheitliche Ansatz fasziniert, den dieses Fastenseminar lebt. Neben dem eigentlichen Fasten liegt der Fokus während dieser zehn Tage auf Yoga, Selbstreflexion, Fastengesprächen, Wanderungen, Meditation und Achtsamkeit im Alltag. Das totale Antiprogramm zu meinem sonstigen Alltag.

Fasten nach Buchinger – Der Ablauf

Der Entschluss

An erster Stelle steht der Entschluss. Der bewusste Entschluss, für zehn Tage auf Nahrung, Kaffee, schwarzen Tee, Alkohol und sonstige Genussmittel aber auch Fernsehen, Radio, Internet, Laptop, Tablet und Smartphone zu verzichten. Dieser Entschluss sollte aus tiefstem Innern gefasst werden und keines Falls von einer dritten Person aufgedrückt werden, selbst wenn diese Person gute Absichten verfolgt. Die Motive für den Entschluss zu fasten können vielfältig sein. Viele Menschen motiviert der in Aussicht stehende Gewichtsverlust. Aber auch Neugier, Abenteuerlust, Selbsterfahrung oder die Suche nach spiritueller Inspiration können starke Gründe für den Entschluss zu fasten sein.

Der unbedingte Wille zu fasten, der selbstständig und bewusst gefällte Entschluss hilft dem Körper, sich auf die eingeschränkte Nahrungszufuhr einzustellen und in den Modus innerer Verbrennung umzuschalten.

Die Methode Buchinger

Die von mir gewählte Fastenmethode ist die Methode nach Dr. Otto Buchinger, das so genannte Buchinger-Fasten oder auch Buchinger-Heilfasten. Dabei verzichtet der Fastende während der Kernfastenzeit komplett auf feste Nahrung. Er nimmt pro Tag etwa 200 kcal zu sich, die er in Form einer wässrigen Gemüsebrühe und von 0,2 Liter Obst- oder Gemüsesaft aufnimmt. Die Gemüsebrühe wird ohne feste Bestandteile gereicht. Zur Herstellung werden Gemüse, in der Regel Wurzelgemüse wie Möhren, Kartoffeln, Süßkartoffeln und Pastinaken aber auch Kürbis und Sellerieknollen ausgekocht. Die Brühe wird anschließend gefilter und geklärt, so dass eine klare Fastenbrühe übrig bleibt, die die wichtigsten Zusatzstoffe der Gemüse wie Spurenelemente und Mineralstoffe enthält.

Entlastungstage

Das Fasten beginnt mit einem oder mehreren Entlastungstagen. Während dieser Tage werden der Körper aber auch der Geist bereits auf den Nahrungsverzicht vorbereitet. Während der Entlastungstage isst man ausschließlich basische Kost, das heißt frische, grüne Salate möglichst ohne Salz, gedämpfte Gemüse und Getreidebreie wie Hirsebrei und Maisgries (Polenta). Außerdem empfiehlt es sich, die Portionen der Mahlzeiten bereits zu reduzieren. Ab sofort verzichtet man komplett auf Alkohol, Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke und wenn man Raucher ist auch bestmöglich auf das Rauchen.

Vor allem Leute, die zum ersten Mal fasten wollen und übergewichtige Menschen können reine Reistage als Entlastungstage vorschalten. Dazu kocht man für jede Mahlzeit Reis ohne Salz und würzt ihn bei Bedarf mit Rosmarin, Thymian oder Majoran. Man isst den Reis bis zum Einsetzen der Sättigung. Da purer Reis spätestens bei der dritten Mahlzeit etwas fade schmeckt, gare ich oft etwas Zwiebel und Möhre mit und würze zusätzlich mit Sojasoße und frischem geriebenen Ingwer. Ich empfehle das Vorschalten von mindestens zwei bis drei zusätzlichen Entlastungstagen vor den eigentlichen Entlastungstage, die den Fastenbeginn markieren. Es hat mir bei meinen bisherigen zwei Fastenerlebnissen einen sanften und Beschwerde freien Übergang in das Kernfasten ermöglicht.

Das Glaubern

Die Kernfastenzeit wird eingeläutet durch das Trinken von Glaubersalz, dem so genannten Glaubern. Dabei löst man je nach Typ und Konstitution zwischen 20g und 40g Glaubersalz (Natriumsulfat) in etwa 0,8 Liter lauwarmem Wasser auf. Die Salzlösung wird nun konzentriert getrunken. Wichtig ist, dass mindestens die selbe Menge Wasser oder Pfefferminztee während dessen oder direkt danach getrunken wird. Das Glaubersalz regt den Verdauungstrakt zur Entleerung an, indem durch osmotische Vorgänge Wasser im Darm angesammelt wird. Dadurch erhöht sich der Druck im Darm und löst den Ausscheidevorgang aus. Der Wasserverlust durch die künstlich erzeugte Konzentration von Wasser im Darm muss durch zusätzliches Trinken von Wasser oder Pfefferminztee ausgeglichen werden.

Das Glaubern dient dem Körper gleichzeitig als eindeutiges Signal: „Ab sofort bleibt der Verdauungstrakt leer.“ Nicht zuletzt liegt hierin das Geheimnis des Fastens: ein entleerter Darm erzeugt kein Hungergefühl. Deswegen ist es nach der Entleerung von großer Bedeutung, dass ab sofort keine feste Nahrung mehr aufgenommen wird. Natürlich soll auch auf die Aufnahme von gelösten Kohlenhydraten (zum Beispiel Zucker) in Getränken verzichtet werden. Erreichen den Magen nach dem Glaubern wieder feste Nährstoffe oder zuviel Zucker, wird das Hungergefühl umgehend wieder aktiviert.

Einige Menschen haben große Schwierigkeiten, die benötigte Menge an Glaubersalzlösung zu trinken. Zugegeben, der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig. Aber meine Erfahrung bisher zeigt, dass das ganze halb so wild ist. Fast immer stecken psychische Blockaden hinter der Ablehnung des Glaubersalzes: bin ich wirklich bereit zu Fasten? Bin ich bereit loszulassen – im körperlichen Sinne ebenso wie im geistigen Sinne in Bezug auf meine Ess- und sonstigen Gewohnheiten? Wenn Sie diese Fragen mit einem festen und klaren „Ja“ beantworten können, dann sollte das Glaubern für Sie keine ernsthafte Hürde darstellen.

Ein Hinweis noch in eigener Sache: Wie für das Fasten allgemein gilt auch für die Einnahme von Glaubersalz, dass dies nur in Anwesenheit und auf Empfehlung von erfahrenen Fastenberatern oder Medizinern geschehen sollte. Ich rate ausdrücklich davon ab, die Mengenbestimmung und die Einnahme generell in Eigenregie und ohne fachliche Betreuung vorzunehmen.

Je nach körperlicher und geistiger Verfassung kann es nach der Einnahme des Glaubersalzes zwischen wenigen Minuten und mehreren Stunden dauern, bis die abführende Wirkung einsetzt. Es ist jedenfalls ratsam, sich ab sofort in Reichweite einer Sanitäranlage aufzuhalten. Schwierigkeiten in Bezug auf die Abführwirkung des Glaubersalzes sind oftmals auf mentale Blockaden zurückzuführen. Wer im wahrsten Sinne des Wortes nicht loslassen kann, könnte Schwierigkeiten haben. Entspannen Sie sich so gut es geht, machen Sie einen Spaziergang (Achtung: WC in Reichweite behalten ;) ), denken Sie an etwas anderes als das Abführen und Fasten und schon bald wird die Wirkung einsetzen.

Verzicht auf feste Nahrung – das Kernfasten

Ballast abgeworfen? Nun geht sie endgültig los, die Kernfastenzeit. Feste Nahrung ist für die nächsten sechs bis acht Tage tabu, ebenso Alkohol, Nikotin, Salz, Zucker, Koffein und eigentlich alles, was nicht Fastenbrühe, Gemüsesaft, Kräutertee oder Wasser heißt.

Dafür sollten Sie ausreichend trinken. Stark verdünnte Kräutertees und pures Wasser ohne Kohlensäure sind nun Ihre Begleiter über den Tag. Sie werden erstaunt sein, wie viel Zeit plötzlich vorhanden ist, wenn man die Hauptmahlzeiten nicht im gewohnten Maße wahrnehmen muss. Das Fastenseminar, das ich besuche, pflegt dennoch, drei Mahlzeiten am Tag einzuhalten. Am Vormittag gibt es 0,1 Liter Gemüsesaft, wofür biologisch erzeugter Direktsaft verwendet und mit der gleichen Menge Wasser verdünnt wird. Der Saft wird nicht getrunken sondern mit einem langstieligen Löffel aus dem Glas gelöffelt. Dadurch werden der Geschmackssinn und der Speichelfluss angeregt und ein Signal an den Verdauungsapparat gesendet, dass Nährstoffe zur Aufnahme gereicht werden. Die Prozedur unterstützt die Nährstoffaufnahme über die Mundschleimhaut und hilft zudem, den Akt der Nahrungsaufnahme bewusst und achtsam zu vollziehen. Löffeln Sie Ihren Saft dazu in Schweigen, verstärkt sich dieser Effekt spürbar.

Mittags gibt es Fastenbrühe. Ein paar Grundrezepte dazu finden Sie am Ende des Artikels. Die Brühe sollte in Maßen aber dennoch bis zum Einsetzen eines Sättigungsgefühls verzehrt werden. Weitere wichtige Zusatzstoffe führen Sie dabei Ihrem Körper zu, in dem Sie die Suppe mit frischen Kräutern (Petersilie, Schnittlauch) und ein bis zwei Teelöffeln Hefeflocken würzen.

Nach ein bis zwei Tagen geht der Körper in den Modus der inneren Verbrennung über. Dabei reduziert er den Energieverbrauch zusätzlich. Der Blutdruck fällt etwas ab und viele Menschen berichten davon, schneller zu frieren als sonst. Zunächst verstoffwechselt der Körper körpereigene Eiweiße und zwar in der Hauptsache nicht, wie oft behauptet, Muskelmasse, sondern vorrangig die eigenen Verdauungssäfte (Enzyme), die ja nun vorerst nicht mehr gebraucht werden. Um den Abbau von Eiweiß aus Muskeln im Anschluss aktiv zu minimieren, empfiehlt sich tägliche Bewegung, am besten an der frischen Luft. Unsere Fastenleiterin prägte einmal den passenden Spruch „Fasten kann man nicht auf der Couch.“ und meinte damit, dass man sich zu einer täglichen Wanderung oder einem straffen Spaziergang aufraffen sollte, auch wenn die körperliche Energie einmal etwas geringer ausfallen sollte. Wie eingangs beschrieben bleibt die gewohnte körperliche Leitungsfähigkeit allerdings weitgehend erhalten. Oftmals steigert sie sich sogar spürbar während des Fastens. So kann man durchaus sein gewohntes Jogginspensum oder vergleichbare Ausdauersportarten auch während der Kernfastenzeit absolvieren. Körperliche Betätigung unterstützt den Körper dabei, die Fettreserven zur Energiegewinnung abzubauen. Pro Tag verliert man beim Fasten etwa zwischen vierhundert Gramm und einem Kilogramm an Körpergewicht. Der tatsächliche Gewichtsverlust ist aber – wie alle Erlebnisse beim Fasten – höchst individuell und kann sich demnach von Mensch zu Mensch stark unterscheiden.

Vor allem in den ersten Tagen ohne Nahrungsaufnahme können Beschwerden oder zumindest spürbare Fastenerscheinungen auftreten. Freunde des reichhaltigen Kaffeegenusses berichten oft von Kopfschmerzen, die teilweise schon während der Entlastungstage auftreten und vom Koffeinentzug her rühren. Ich selbst beobachte nach zwei, drei Tagen ein deutliches Ziehen in der Wadenmuskulatur, ähnlich einem Muskelkater. Dies sind Auswirkungen eines Entsäuerungsprozesses. Menschen mit tendenziell niedrigem Blutdruck können es beim weiteren Absinken des Blutdrucks vereinzelt mit Kreislaufbeschwerden zu tun bekommen. Yoga, Massagen oder Selbstmassagen sowie Körperbürstung mit einer Naturhaarbürste können hier unterstützend wirken.

Fastenerscheinungen können nicht nur auf der körperlichen Ebene auftreten. Auch emotionale Stimmungsschwankungen waren nicht selten bei den Teilnehmern meiner Fastengruppen zu beobachten. Lang unterdrückte Gefühle können beim Fasten plötzlich ans Tageslicht gelangen. Einige Teilnehmer erlebten regelrechte Gefühlsachterbahnfahrten und das manchmal im Verlaufe eines einzelnen Tages. Auf der mentalen Ebene wirkt sich das Fasten vorwiegend klärend, den Geist beruhigend aus. Ab dem dritten Fastentag konnte ich deutlich beobachten, wie die unbändige Flut der Gedanken nach und nach abnahm und ich konzentrierter wurde. Wer selbst schon mal erlebt hat, dass er im Alltag vor lauter Hektik und Informationsschwemme teilweise kaum noch konzentriert einen Artikel in einem Fachmagazin oder ein Buchkapitel von Anfang bis Ende durchlesen kann, der wird nachvollziehen können, wie beflügelnd das Gefühl ist, wenn die alte Konzentrationsfähigkeit wieder zurückkehrt. Um die emotionalen und mentalen Effekte des Fastens wahrnehmen und zulassen zu können, sollte das Fasten idealer Weise außerhalb der gewohnten Alltagsumgebung stattfinden. Ich empfehle, sich die Fastentage komplett frei zu nehmen und das Fastenerlebnis ohne den Partner oder die Partnerin zu vollziehen. Das Fasten soll eine Zeit der inneren Einkehr darstellen, da ist es wenig förderlich, wenn man – und sei es unbewusst – die Belange des Partners zusätzlich zu den eigenen wahrnimmt und verarbeitet.

Neben dem Gemüsesaft und der Gemüsebrühe sollten pro Tag ein, maximal zwei Teelöffeln Honig verzehrt werden. Der im Honig enthaltene Zucker hilft zur Regulierung des Blutzuckerspiegels. Außerdem enthält der Honig weitere wichtige Mineralstoffe, die dem Körper während des Kernfastens fehlen. Abgesehen davon ist so ein Löffel Honig eine echte Belohnung, wenn man ansonsten kaum etwas zur Stimulierung der Geschmacksnerven zu sich nehmen kann.

Das Fastenbrechen

Fastenbrechen: Die geballte Kraft der Natur steckt in einem ApfelDie Kernfastenzeit endet mit dem Fastenbrechen. Zum Fastenbrechen wird ein Apfel gereicht, der roh oder bei Bedarf gedünstet verzehrt wird. Das Fastenbrechen sollte in den späten Vormittagsstunden abgehalten werden. Um Körper und Geist auf das Ende der nahrungslosen Zeit einzustimmen, ist es bei meinen Fastenseminaren eine angenehme Gewohnheit, das Fastenbrechen regelrecht zu zelebrieren. Die Fastengruppe wirft sich für diesen Anlass nach besten Möglichkeiten in Schale. Der Tisch wird festlich gedeckt, Kerzen brennen und die Äpfel liegen verführerisch auf den Tellern. Die Fastenleiter sprechen zunächst ein paar Worte an die Teilnehmer, erinnern dabei an die vollbrachte Leistung und rufen dazu auf, auf das Erreichte, auf das eigene Durchhaltevermögen stolz zu sein.

Schließlich erfolgt das achtsame Verzehren des Apfels in aller Ruhe und in Schweigen. Liebe Leser, ich kann Ihnen versprechen, so einen köstlichen Apfel haben Sie das letzte Mal vielleicht in Ihrer Kindheit gegessen. Nach sechs bis acht Tagen ohne feste Nahrung und stark minimierten Geschmackserlebnissen hat sich die Wahrnehmungsfähigkeit aller Sinne, vor allem aber der Geschmacks- und Geruchssinne deutlich geschärft. Die Zeit scheint still zu stehen, während Sie Ihren Apfel Biss für Biss aufs Neue entdecken. Was für eine himmlische Süße, was für eine Geschmacksexplosion. Die geballte Kraft von einem Jahr Sonnenenergie, Wasser und Nährstoffen, die die Frucht gebildet haben, führen Sie nun Ihrem eigenen Körper zu. Allein für dieses Sinneserlebnis hat sich das ganze Fasten schon gelohnt.

Im Laufe des Tages wird nun mit dem Aufbau begonnen. Mittags wird eine der bekannten Fastenbrühe ähnliche Suppe gereicht, die aber kleine Gemüsestücke wie Kartoffeln oder Möhren enthält. Auch abends bleibt es bei leichter, basischer Kost. Gedämpfte Kartoffeln und Kürbis mit Leinöl, Petersilie und Leinsamen sind zum Beispiel gut geeignet.

Aufbautage – Der Neubeginn

„Fasten kann jeder. Die Kunst ist es, richtig wieder ins normale Leben einzusteigen.“ Diese Sätze blieben mir schon bei meiner ersten Fastenkur vor zwei Jahren im Gedächtnis hängen. Ich kann diese Aussage nur bestätigen. Absolut kontraproduktiv wäre es, sofort nach dem Fasten wieder in alte Ernährungsgewohnheiten zurück zu fallen. Nicht nur, dass ernsthafte körperliche Beschwerden auftreten könnten – wenn Sie zwei Tage nach dem Fasten schon ein deftiges Schnitzel mit Bratkartoffeln, Ei und Sahnesoße verzehren, dann lässt Sie der berüchtigte Jojo-Effekt das verlorene Gewicht in kürzester Zeit wieder zunehmen. Lassen Sie es also langsam angehen und behalten Sie in den nächsten Tagen, gern Wochen oder gar Monaten eine basische, vegetarische Ernährung bei. Dann helfen die Aufbautage, die neu gefundene Energie, Euphorie und Vitalität zu stabilisieren. Nutzen Sie die Tage nach der Kernfastenzeit, um all Ihre während des Fastens gefassten Beschlüsse, wie Sie sich zukünftig gesünder und ausgewogenener ernähren möchten, in die Tat umzusetzen.

Die noch zur Fastenzeit zählenden Aufbautage sollten mindestens ein Drittel der Kernfastenzeit betragen. Der Organismus lernt in dieser Zeit, wieder mit der normalen Nahrungsmenge umzugehen. Bleiben Sie also, wie bereits empfohlen, bei leichter, basischer Kost bestehend aus viel Gemüse, etwas Obst, Getreide und buntem Salat. Reiz- und Genussstoffe wie Kaffee, Schwarzer Tee, Alkohol aber auch Weißmehlprodukte (Brot, Brötchen) sowie Fleisch- und Wurstwaren, Käse sowie Back- und Süßwaren sollten über einen längeren Zeitraum (Wochen bis Monate) gemieden werden.

Fazit

Wenn Sie bis hierhin durchgehalten haben, dann scheinen Sie ein echtes Interesse am Fasten zu haben. Gleichzeitig haben sie soeben das nötige Durchhaltevermögen demonstriert, den man für den eigenen Fastenentschluss benötigt. Ich empfinde das Fasten als eine große Bereicherung für mich. Es ist eine spannende Abenteuerreise zu sich selbst. Das Erleben von uralten Menschheitserfahrungen in unserer modernen Welt löst wahre Glücksgefühle aus. Das Wissen, sich auf allen drei Ebenen Körper, Geist und Seele etwas Gutes getan zu haben, beflügelt zusätzlich und auch ein bisschen Stolz macht sich nach jedem Fasten bemerkbar, Stolz etwas Getan zu haben, was die meisten Menschen für unmachbar halten. Wichtig ist, dass Sie sich aus freien Stücken zum Fasten entschließen und das Fasten auch nur durchführen, wenn Sie sich dieses Entschlusses absolut sicher sind.

Wenden Sie sich an erfahrene Fastenleiter, wenn Sie zum ersten Mal fasten und beachten Sie bitte, dass das Fasten nicht als Methode zum Abnehmen geeignet ist. Es ist aber sehr wohl dazu geeignet, mit alten Ess- und Suchtgewohnheiten zu brechen und nach dem Fasten eine gesündere Ernährung und eine gesündere Lebensweise umzusetzen.

Haben Sie schon einmal gefastet oder fasten Sie regelmäßig? Haben Sie den Wunsch zu fasten und was versprechen Sie sich davon? Wie sind Ihre Erfahrungen bisher, was haben Sie über sich gelernt? Ich bin neugierig auf Ihre Erlebnisse. Schreiben Sie mir doch einfach im Kommentarfeld, welchen Bezug Sie zum Thema Fasten haben. Ich bin gespannt auf Ihre Fastengeschichten.

4 Responses to “Fasten – Was der Verzicht auf feste Nahrung mit gesunder Ernährung zu tun hat”

  1. Sandra Menth

    Ich faste seit ca 15 Jahren ziemlich regelmäßig. Anfangs gemeinsam mit meinem Vater, seit meinem Auszug Zuhause meist alleine. Wir fasten nach dem Buch: “Wie neugeboren durch Fasten” und sind beide überzeugt.
    Ich schaffe es ca. einmal im Jahr 7-10 Tage. Mein Vater 1.2mal pro Jahr 10-15 Tage. Die Seite ist sehr gut geschrieben und kann von mir ausnahmslos geteilt werden. Allerdings bin ich von sämtlichen Salzen abgekommen und entleere von Anfang an mit einem Einlauf. Diesen wiederhole ich dann ca. alle 2 Tage.

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    • ausgewogenERNAEHREN.de Redaktion

      Hallo Frau Menth,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich freue mich sehr über Ihr Lob zu diesem Artikel. Das ist Ansporn für mich, weiter interessante Inhalte zu erstellen.
      Spannend auch, dass Sie es schaffen, über einen so langen Zeitraum regelmäßig zu fasten. Was Ihre Entlehrungsmethode betrifft, so ist mein Kenntnisstand der, dass das Glaubern und vergleichbare “Salzverfahren” initial Magen und Dickdarm entleeren, während Einläufe ergänzend dazu im Anschluss hauptsächlich den Dünndarm entleeren helfen. Welche Methoden man verwendet, ist letztlich sicher eine Sache der persönlichen Erfahrung :) .
      Viele Grüße!

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  2. Gudrun

    Ich bin gestern beim Stöbern nach Unterstützung durch Schüsslersalze beim Fasten und entgiften auf dieser Seite gelandet und heute musste ich weiterlesen. Ich finde diese Seite und auch die weiteren (Ernährungstipps, Nahrungser.)einfach toll.
    Ich fasten seit ca 15 Jahren regelmässig (zwei Jahre nach Krebs unterbrochen)fünf Tage nach Buchinger. Inzwischen lege ich drei Entlastungstage vorher und drei Aufbautage nachher ein. Komme damit gut klar und fühle mich super. Auch nach meiner Erkrankung!
    Habe meine Ernährung in den letzten Jahren immer mehr umgestellt. Allerdings noch nicht ganz vegi. Denke aber trotzdem, ich bin auf einem guten Weg.
    Werde öfter hier vorbei schauen und bedanke mich für die super Themen

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    • ausgewogenERNAEHREN.de Redaktion

      Hallo Gudrun,

      Ihnen auch vielen Dank für Ihren lieben Kommentar. Ich freue mich, wenn Sie auf dieser kleinen Seite interessante Informationen für sich finden können. Ich muss gestehen, dass es hier in letzter Zeit leider etwas ruhig geworden ist. Aber so ein Zuspruch motiviert mich natürlich, mal wieder ein paar neue Artikel für ausgewogenERNAEHREN.de zu schreiben. Ideen habe ich genug, nur die Zeit fehlt … :)
      Viele Grüße!

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